Gut in Fahrt

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Es ist eine stattliche Fahrzeugflotte, die da zusammengekommen ist: 17 Unternehmen mit insgesamt 450 Bussen bedienen das Tarifgebiet des 2018 gegründeten Verkehrsverbunds Großraum Ingolstadt (VGI). Der ÖPNV in der Region gewinnt dadurch weiter an Fahrt, das Angebot wächst, die Partner verbessern auch die Koordinierung der Fahrpläne. Das größte Unternehmen im VGI ist die Stadtbus Ingolstadt GmbH mit 110 Bussen. Deren Geschäftsführer Robert Frank ist zugleich Vorstand der VGI. Er berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Fahrgastzahlen haben das Niveau vor der Pandemie erreicht und steigen weiter.“ Der neueste Stand werde gerade ermittelt. Auch bei der Digitalisierung gehe es voran, sagt Frank. Es gibt Handy-Ticketing, die VGI-App mit Echtzeit-Angaben und dynamische Fahrgastauskünfte – „auch in den Landkreisen“. Alle Fahrzeuge der 17 Firmen sind über Bordrechner mit der Leitstelle am Nordbahnhof vernetzt. Die Digitalinitiative trägt den Namen VGI New Mind. Doch nicht alles läuft rund. Der ÖPNV in Ingolstadt muss mehrere Probleme bewältigen. Frank berichtet auch darüber.


• Konsolidierung: Das Defizit des ÖPNV ist hoch: Zwischen 20 und 22 Millionen Euro werden es im laufenden Jahr, sagt Frank. „In den nächsten Jahren könnten es ca. 26 Millionen werden, wenn wir alles so weiterlaufen lassen.“ Das tue man aber nicht. Am Montag, 9. September, dem letzten Tag der Sommerferien, treten „Straffungen im Fahrplan“ in Kraft. Betroffen ist etwa die Linie 59 (Klinikum – Audi-Bahnhof – Etting). „Da haben wir ca. 80 Prozent weniger Fahrgäste als auf einer vergleichbaren 30-Minuten-Takt-Linie.“ Und das sei zu wenig. Auch ohne den Auftrag zu Konsolidierungsmaßnahmen hätte man die vor drei Jahren installierte Linie 59 so nicht aufrechterhalten können.

Gestrafft wird auch der Fahrplan im Südwesten. Bisher fahren vier Linien dorthin, darunter die Hauptlinien 10 und 11 im 15-Minuten-Takt; das bleibt so. Die „Doppelbedienung von Hundszell“ mit der 10 und der 44 wird verändert. Frank: „Es wird der Linienlauf der 44 übernommen. Die Umstiege in die Linien 10 und 11 wird bestmöglich organisiert, das ist auch der Wunsch des Bezirksausschusses.“ Trotz der „Konsolidierung mit Augenmaß“ werde das Angebot „weiter sehr gut ausgebaut“, sagt der VGI-Vorstand. Das Defizit lasse sich genau erklären. Einerseits gebe es dafür positive Gründe: „Wir haben viel investiert.“ Aber eben auch unerfreuliche, allem voran: die Kostenentwicklung.


• Hohe Kosten: Die Ausgaben für Energie sind seit 2022 um ca. 30 Prozent gestiegen, erzählt Frank. Über die Wertstoffkette (ein Stichwort: Ersatzteile) „wirkt sich das überall aus“. Auch die Personalkosten sind in die Höhe geschossen. Dank eines Tarifabschlusses im vergangenen Jahr um 15 Prozent. Zugleich setzten die Gewerkschaften eine Arbeitszeitverkürzung durch. „Wir müssen also nicht nur mehr bezahlen, wir brauchen auch mehr Personal. Das ist wie bei den Lokführern und der Bahn.“ Schwierig.


• Personal: Busfahrerinnen und Busfahrer sind Fachkräfte, betont Frank. Sie sitzen nicht einfach nur am Steuer, sondern sind zudem „geschulte Sicherheitsfachkräfte“, geben Auskunft und bieten weitere Hilfen. Man tue viel, um das Team zu verstärken: Die GmbH zahlt den Führerschein und betreibt ein Quereinsteigerprogramm. Zuletzt seien 70 Kolleginnen und Kollegen dazugekommen. Dennoch bleibe die Personalgewinnung „anspruchsvoll“, so Frank. Man bilde jetzt wieder Lehrlinge aus. Es sei „eine schöne Entwicklung“, dass es in der Zentrale nun auch Fahrdienstleiterinnen gibt. „Bei uns können alle Karriere machen!“ Man arbeite daran, mehr Teilzeitmöglichkeiten anzubieten.


• Elektrobusse: Die Stadtbus GmbH hat sechs voll elektrische Busse im Einsatz, der Partner Spangler ebenfalls sechs. Die seien allerdings doppelt so teuer wie herkömmliche Busse, sagt Frank. 75 Prozent der Flotte haben einen Diesel-Hybrid-Motor. „Dafür bieten E-Busse angenehme Fahreigenschaften und es gibt keine lokale Emission.“ Man werde weitere Elektrobusse kaufen. Die Zahl hänge aber auch von den Zuschüssen ab. „Es gibt Fördermittel vom Freistaat. Der Bund hat sich zurückgezogen. Ich hoffe, dass er bei der Förderung des ÖPNV wieder einsteigt.“


Klares Ziel für Busverkehr: Zurück auf die Nord-Süd-Achse

Nicht alle sehen es gern, wenn die Linienbusse mitten durch die Altstadt fahren: über die Nord-Süd-Achse via Moritzstraße. So lange die Sanierung und Neugestaltung der Harderstraße läuft, schlagen die Busse einen Bogen um das Zentrum: via THI und Schutterstraße sowie über die Jahnstraße. Aber das soll nicht so bleiben, sagt Robert Frank. Sind die Arbeiten abgeschlossen, werden die Busse auf die Nord-Süd-Achse zurückkehren. Das halte er für „sehr sinnvoll“. So hat es auch der Stadtrat Ende 2023 mit 38 zu 12 Stimmen beschlossen. Bei der Umfahrung des Zentrums entstünden zu den Hauptverkehrszeiten zwischen ZOB und Rathausplatz Zeitverluste zwischen vier und sechs Minuten, sagt Frank. Außerdem komme dieser Umweg teurer. Mit der direkten Durchquerung des Stadtkerns „sparen wir uns auch einen Bus-Umlauf“. Das sei organisatorisch günstiger. Insgesamt ließen sich mit der Rückkehr auf die Nord-Süd-Achse im Jahr bis zu 640000 Euro einsparen. Wie berichtet, setzt sich Stadtrat Anton Böhm (SPD) dafür ein, dass Rettungswagen und der neue, kleine Rufbus FX2 über die Staumauer fahren dürfen, um das Klinikum schneller erreichen zu können. „Diese Möglichkeit prüfen wir ganz genau“, erzählt Frank. „Ich freue mich, so einen Auftrag zu haben!“


Quelle: Donaukurier.de

Antworten 3

  • Danke für den Zeitungsbericht


    Interessant was alles geplant ist



    Die meinen aber Linie 45 und nicht 44?

  • Gemäß dem Dokument aus der Stadtratssitzung/Aufsichtsratsitzung von November/Dezember fällt 45 weg, 44 fährt bis Schrobenhausener Str den Verlauf der 44 und die 10 ab der Schrobenhausener Straße dann auf der bisherigen 45


    Entnommen hab ich die PDF damals aus dem Ratsinformationssystem der Stadt IN, war also öffentlich zugänglich. Heute finde ich die nicht mehr, weiß aber auch nicht mehr wo ich genau suchen musste.


    Anlage_zu_V1088_23_Konsolidierungsprogramm (1).pdf



    In Anbetracht des Dokuments, bin ich gespannt was Hr Frank meint, mit "der Umstieg 10 zu 11 word optimiert". Wenn es kommt, wie in der PDF, dann hat Schulzentrum keinen so einfachen Umstieg mehr für Schüler zur Urnenfelder am Nachmittag

  • Ich bin ja mal auf September gespannt.
    Wenn die Linien 10 und 45 bzw. dann 44 nicht mehr abbiegen fehlen 2 Haltestellen (Schrobenhausener Straße) und die Linie 10 hätte 4 8o
    Vermutlich werden die rechten 2 nicht mehr genutzt, da die linken 2 erst Barrierefrei und mit Kassler Bord ausgebaut worden sind.
    Für die neue 44 würden wahrscheinlich südlich der Kreuzung 2 neue Haltestellen entstehen, da im Norden die Straße deutlich enger ist.

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  • Aber was passiert dann mit der Haltestelle "Langgasse" ?



    Kommt die L45 komplett weg oder bleiben Schulfahrten noch? Was darf dann Stanglmeier fahren wenn die 45 nicht mehr da ist?


    Wird die 59 komplett gestrichen oder nur mehr 60min takt

  • Wird man wohl bis September oder offiziellen Bekanntgabe abwarten müssen. 🤷‍♂️
    Irgendwie wirkt die Streichung der Linie 45 und das neue Konzept nicht ganz durchdacht 😅

  • Die Langgasse wird dann wohl durch die Linie 44 bedient, dafür fallen die Haltestellen Am Pulverl und Caspar-Schoppe-Straße weg

  • Die Langgasse wird dann wohl durch die Linie 44 bedient, dafür fallen die Haltestellen Am Pulverl und Caspar-Schoppe-Straße weg

    Ein Glück habe ich die Haltestellen noch fotografiert.


    Oder da fahren nur noch Schulbusse durch.

  • Bisher fahren vier Linien dorthin, darunter die Hauptlinien 10 und 11 im 15-Minuten-Takt; das bleibt so. Die „Doppelbedienung von Hundszell“ mit der 10 und der 44 wird verändert. Frank: „Es wird der Linienlauf der 44 übernommen. Die Umstiege in die Linien 10 und 11 wird bestmöglich organisiert, das ist auch der Wunsch des Bezirksausschusses.“ Trotz der „Konsolidierung mit Augenmaß“ werde das Angebot „weiter sehr gut ausgebaut“, sagt der VGI-Vorstand. Das Defizit lasse sich genau erklären. Einerseits gebe es dafür positive Gründe: „Wir haben viel investiert.“ Aber eben auch unerfreuliche, allem voran: die Kostenentwicklung.“ -> in dem Bericht wird die L.45 gar nicht genannt, nur L.10 und L.44 .

    Die L.45 wird unverändert bleiben.


    anderer frage: wann ist der Bericht erschienen ?

  • Die PDF zum Stadtratsbeschluss ist doch von Dez.23 und es werden nur Beispiele zur Einsparung genannt .

    Bei Abschaffung der L.45 hätte Haunwöhr keine Bus-Anbindung .

    Wird nicht nur die L.10 mit der L.44 zusammengeschlossen und was passiert mit der Anbindung der L.44 zur audi ?

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