Audi Bahnhalt - Noch bis Ende 2027 mit halber Kraft

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2019 wurde nach jahrzehntelangen Diskussionen der Bahnhof Ingolstadt-Audi in Betrieb genommen. Damals hoffte man auf Tausende Fahrgäste am Tag. Doch bislang sind es allenfalls ein paar Hundert, weil der Bahnhof nur im Stundentakt angefahren wird. Das sollte sich im Dezember 2024 ändern: Ab dann sollte es eigentlich einen Halbstundentakt geben. Doch die Deutsche Bahn kommt mit den versprochenen Umbaumaßnahmen nicht voran.

Kern dieser Maßnahmen sollte der Ausbau des Bahnhofs in Gaimersheim sein: Dort wollte die Deutsche Bahn ein Wendegleis einbauen. Dies sollte es ermöglichen, dass weitere Züge vom Hauptbahnhof über den Nordbahnhof zum Bahnhof Ingolstadt Audi fahren können. Von dort sollten sie weiter nach Gaimersheim fahren, um dort auf die Rückfahrt etwa 40 Minuten später zu warten.


Auf Anfrage des Donaukurier sagte eine Bahnsprecherin jetzt aber, dass man den ursprünglichen Zeitplan nicht halten könne: Die Errichtung des Wendegleises sei ursprünglich mit einem Umbau des Stellwerkes Gaimersheim geplant gewesen. „Aus technischen Gründen ist dies allerdings nicht durchführbar.“ Die Bahn beziehungsweise die Tochter InfraGo, die für die Schieneninfrastruktur und die Bahnhöfe verantwortlich ist, wolle elektronische Stellwerke in Gaimersheim, Tauberfeld und Eichstätt (Bahnhof) bauen, dann könne auch das Wendegleis errichtet werden. Dies werde allerdings mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Ein Baubeginn kann derzeit nicht genannt werden. Und weiter: „Die Errichtung des Wendegleises verschiebt sich in der Folge in Richtung Ende des Jahrzehnts.“ Nach Informationen unserer Zeitung plante die Bahn mit Ende 2028.


Nach den Worten des Ingolstädter OBs Christian Scharpf (SPD) haben die politisch Verantwortlichen in der Region bereits auf die Verschiebung reagiert. Die Landräte aus der Region hätten zusammen mit ihm beim Vorstand der Deutschen Bahn und beim bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) interveniert. „Nun haben wir von der Deutschen Bahn die Zusage erhalten, alle erforderlichen Maßnahmen so zu priorisieren, dass der Halbstundentakt am Bahnhalt Ingolstadt-Audi zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 erfolgen wird.“


Beim Autohersteller Audi, dessen Mitarbeiter vor allem vom dichteren Takt profitieren würden, betont man zwar die Bedeutung des Bahnhaltes und der guten Vernetzung, reagiert aber eher zurückhaltend auf die Verzögerung. Das falle in die Zuständigkeit der Deutschen Bahn, sagt eine Audi-Sprecherin. Auch Betriebsratschef Jörg Schlagbauer bedauert die Verzögerung.


Derzeit halten nur die Züge der Regionalbahnlinie 16 München-Ingolstadt-Treuchlingen im Bahnhof Ingolstadt-Audi. Die Züge für den Halbstundentakt sind allerdings auch schon unterwegs: Derzeit gibt es immer kurz vor der vollen Stunde am Ingolstädter Hauptbahnhof einen Zug aus Richtung Regensburg, der zum Nordbahnhof weiterfährt. Nach Angaben des Betreibers Agilis wird dieser Zug dann im Nordbahnhof auf ein Abstellgleis pilotiert und wartet mit dem Lokführer an Bord fast eine Stunde auf die Rückfahrt zum Hauptbahnhof weiter Richtung Regensburg. Diese Zeitspanne ist eigentlich für die Fahrt zum Bahnhof Audi, weiter nach Gaimersheim und zurück gedacht. Die Grundlagen für den Fahrplan stammen aus dem Jahr 2020: Bei der damaligen Ausschreibung für die Donautalbahn war der Bahnhof Ingolstadt-Audi ab Dezember 2024 fest eingeplant. Der derzeitige Schlenker ist dafür der Vorlaufbetrieb.


Doch für die nächsten Jahre wird es so bleiben: Die Möglichkeit für eine vorgezogene Einführung des Halbstundentaktes für den Bahnhof Ingolstadt-Audi gibt es nach Auskunft der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Eisenbahnregionalverkehr im Freistaat bestellt und auch für die Gestaltung der Fahrpläne verantwortlich ist, nicht: Ein Wenden der Züge an anderen Bahnhöfen außer in Gaimersheim sei nach Angaben der Deutschen Bahn nicht möglich. Dabei würde die Fahrzeit sogar ausreichen, um erst in Eichstätt (Bahnhof) zu wenden. Dann würden auch Eitensheim, Tauberfeld, Adelsschlag und Eichstätt vom Halbstundentakt profitieren. Aber diese Diskussion hat bisher kein Politiker aufgemacht.


Quelle: Donaukurier.de

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